28.03.2025
Startveranstaltung in Reutte und Ausstelungseröffnung "Weiterbauen am Land"
Tirols ländliche Regionen stehen vor großen Herausforderungen: Leerstand, Abwanderung und Zersiedelung prägen das Bild vieler Orte. Nur 13 % des Landes sind aufgrund der Gebirgslandschaft tatsächlich bewohnbar, was eine kluge Nutzung jedes Quadratmeters Fläche unerlässlich macht. Viele unserer Orte können auf eine lange zurückreichende Besiedelungstradition verweisen und verfügen über historisch gewachsene Ortskerne. Diese sind jedoch oftmals von Abwanderung, Funktionsverlust und Verfall gekennzeichnet. Durch intelligente Nachverdichtung der bestehenden Siedlungsräume und durch die Erhaltung und Revitalisierung der Ortszentren kann neuer Flächenverbrauch vermindert werden. Diese Entwicklung wird von vielen Entscheidungsträgern immer mehr gewünscht und forciert. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, im Zuge der Nachverdichtung und Revitalisierung gezielt auf eine nachhaltige und umweltfreundliche Bauweise zu achten.
Vor 20 Jahren startete die Dorferneuerung in Tirol mit einem Pilotprogramm in der Gemeinde Silz, um dem Ortskernsterben entgegenzuwirken. Im Bezirk Landeck konnten durch die Offensiven über 10.000 m² leerstehender Wohnraum wieder nutzbar gemacht und Wohngebäude nachverdichtet werden. Diese Maßnahmen stärken die zentralen Funktionen der Gebäude, fördern das Wohnen und Arbeiten und tragen zur Erhaltung eines lebendigen Dorflebens bei. Die Schaffung von Wohnraum im Ortszentrum ermöglicht leistbares Wohnen, erhält traditionelle Gebäude und aktiviert bestehende Wohnflächen, ohne neues Bauland zu beanspruchen.
Jetzt beschäftigen sich gemeinsam mit der Dorferneuerung Tirol acht Tiroler Regionen intensiv mit dem Thema. Mit dem Grundgedanken einer nachhaltigen Bauweise, Gebäudestrukturen zu erhalten und für die modernen Erfordernisse heutigen Wohnens und Wirtschaftens zu adaptieren sind übergeordnete Ziele aller Regionen bzw. des Landes. Eine koordinierte und gute Betreuung der Bauherren, die Vernetzung mit den zuständigen Stellen (Gemeinden, Land Tirol, Bund, EU) sowie mit den Planern sind Erfolgsfaktoren für Nachhaltiges Bauen in Kombination mit Ortskernrevitalisierung.
Am 25. März fand die offizielle Startveranstaltung für ein Tirol weites „Leerstandsmanagement“ in der Bezirkshauptmannschaft Reutte statt. Unter den Gästen war auch Landeshauptmann Anton Mattle. Als Referent konnte Walter Hauser, langjähriger Landeskonservator i.R., für einen spannenden Vortrag gewonnen werden. Er informierte die anwesenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Bezirks Reutte und die Gäste aus den weiteren Tiroler Regionen über die Bedeutung funktionierender Ortskerne. Zu diesem Anlass konnte auch die Ausstellung „Weiterbauen am Land“ nach Reutte geholt werden. Diese zeigt ausgewählte Bauten und vermittelt die große Bandbreite von Neu und Alt auf dem Land. Die Ausstellung ist noch bis 25. April in den Räumlichkeiten der Bezirkshauptmannschaft Reutte zu besichtigen.
Gemeinsam mit den Regionalmanagements und den Fachabteilungen des Landes Tirol werden nun in den Regionen Beratungsnetzwerke aufgebaut. Im Rahmen eines von der EU, Bund und Land geförderten Projektes, konnte im Bezirk Reutte das junge Architekten-Duo von der Architekturstube in Elmen beauftragt werden, interessierte Bauherren über baukulturelle Gestaltungs- und Fördermöglichkeiten zu beraten. Darüber hinaus tauschen sich die beratenden Architekten im Tirol weiten Netzwerk aus. Silvia Hofer von der Regionalentwicklung Außerfern verweist zudem auf das Sonderförderprogramm der Naturparkregion Lechtal-Reutte. Hier können entsprechende Bauvorhaben mit zusätzlichen Fördermitteln unterstützt werden, wenn die Voraussetzung für die Dorferneuerung gegeben ist oder Maßnahmen in Holzbauweise erfolgen.
Landeshauptmann Anton Mattle bekräftigte die Bedeutung dieser Initiativen und die Notwendigkeit, die ländlichen Regionen Tirols zukunftsfähig zu gestalten.
Bildnachweise: Verein REA
v.l.n.r Architekt Matthias Scheiber, Architekt Martin Köck, BH Katharina Rumpf, Silvia Hofer REA, Walter Hauser – Landeskonservator i.R. und LH Anton Mattle