Bildnachweis: REA

Mit dem Lastenrad durch den Alltag

25.09.2026
Wenn ein Fahrrad zum Autoersatz wird

REUTTE. In München und Innsbruck gehören Lastenräder längst zum Stadtbild. Mal transportieren sie Kinder oder Hunde, mal den Wocheneinkauf, Pakete oder sogar kleine Möbelstücke. Mittlerweile sind die vielseitigen Fahrräder auch in Reutte angekommen.

Stefanie Thurner aus Reutte nutzt ihr Lastenrad täglich. „Unser Lastenrad ist Autoersatz und täglicher Begleiter für Schule, Kindergarten, Einkäufe und Arbeitswege“, erzählt sie. Rund 1.000 Kilometer legt die Familie damit pro Jahr zurück – und das ganzjährig, auch bei schlechtem Wetter und im Winter. „Bis zu vier Kinder haben Platz. Meine Kids freuen sich immer, wenn wir Freunde mitnehmen!“.

Auch für Carolin Iljazovic aus Reutte gehört das Lastenrad seit Jahren selbstverständlich zum Familienalltag. „Hauptsächlich transportiere ich die Kinder“, erzählt sie. „Für die beiden ist Lastenradfahren so selbstverständlich, wie für andere Kinder Autofahren.“

Unterschiedliche Räder für unterschiedliche Bedürfnisse

Ob mit zwei oder drei Rädern, mit Ladefläche vorne oder hinten, mit oder ohne elektrische Unterstützung: „Man sollte sich genau überlegen, wofür man das Lastenrad braucht, denn es gibt viele verschiedene Modelle“, sagt Thurner.

Zweirädrige Modelle sind wendiger und eignen sich auch für schmalere Wege. Dreiräder bieten besonders viel Platz und stehen stabil. Ein Elektroantrieb ist vor allem in bergigen Regionen wichtig. Auch die Ausstattung sollte zum jeweiligen Einsatz passen: für den Transport von Kindern empfiehlt sich ein 5-Punkt-Gurtsystem.

Dass sich die Einsatzmöglichkeiten verändern lassen, ist für Iljazovic ein Pluspunkt ihres Modells. „Wir können die Polster für den Kindertransport entfernen und dann auch andere Sachen aufladen – zum Beispiel für eine große Siebträgermaschine!“, erzählt sie lachend.

Auch Thurner transportiert manchmal große Lasten. Sie erinnert sich an eine Fahrt zum Lions-Flohmarkt: „Die Kinder waren völlig mit Kartons eingebaut!“. Gescheitert ist sie mit ihrem Lastenrad bislang noch an keiner Fracht.

Mehr Bewegung, weniger Parkplatzsuche

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Wege unter fünf Kilometern mit dem Fahrrad schneller zurückgelegt werden als mit dem Auto – insbesondere, wenn Parkplatzsuche und innerörtlicher Verkehr berücksichtigt werden. „Für alle, die zentral wohnen, ist ein Lastenrad die perfekte Alternative zum Auto“, sagt Iljazovic.

„Man bewegt sich mehr an der frischen Luft und spart Zeit, weil man meist direkt vor der Tür parken kann.“, so Thurner. Auch der Klimaschutz ist für beide ein wichtiger Punkt. „Die Lebensqualität in Reutte leidet durch die vielen Autos.“

Ganz ohne Herausforderungen bleibt der Lastenradalltag allerdings nicht. Patschen und kleinere Reparaturen kommen immer einmal wieder vor. Nach sieben Jahren lässt die Leistung des Akkus bei Iljazovic nach. Auf dem steilen Weg zum Urisee müssen die inzwischen größeren Kinder deshalb gelegentlich aussteigen und ein Stück zu Fuß gehen. 60km lang war die größte Tour, die sie bisher gemacht hat – mit zwei vollgeladenen Akkus. Thurner ergänzt: „Der Komfort auf den Kinderplätzen ist bei unserem Rad nicht groß genug für größere Touren. Aber bis nach Füssen geht es schon!“

Bike-Leasing und Ausprobieren

Wer über die Anschaffung eines Lastenrads nachdenkt, kann mittlerweile auf unterschiedliche Finanzierungsmodelle zurückgreifen. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist Bike-Leasing häufig zu günstigen Konditionen möglich. Eine öffentliche Förderung für die Anschaffung von Lastenrädern wie im Jahr 2025 gibt es derzeit leider nicht. Preislich liegen e-Lastenräder zwischen 5.000 und 10.000€.

Am Mobilitätsstand der Regionalentwicklung Außerfern (REA) am Autofreien Tag in Reutte wurden verschiedene Lastenräder ausgestellt, die bereits im Bezirk unterwegs sind. Darunter auch die Räder von Thurner und Iljazovic und das Verleih-Rad der REA.

Wer ausprobieren möchte, ob ein Lastenrad zum eigenen Alltag passt, kann noch bis zum ersten Schneefall das Leih-Rad der REA ausprobieren. Schon zu Beginn des Sommers hatte die REA ein e-Lastenrad für die Dienstwege der Teammitglieder gekauft – mit Unterstützung durch die Europäische Union. Wann immer die Mitarbeiter*innen nicht selbst unterwegs sind, steht das Rad zum kostenlosen Verleih zur Verfügung. Das Transportrad steht im Foyer des Innovationszentrums in Pflach. Den Schlüssel für das Rad holt man sich während der Bürozeiten im REA-Büro ab. Ausleihen kann man das Rad maximal für zwei Tage bzw. übers Wochenende von Freitag bis Montag. Ein Transport von Kindern ist mit diesem Modell nicht möglich. Kontakt: 05672-62387 oder info@rea.tirol

Weitere Informationen stehen hier zur Verfügung: Mobilität im Außerfern • REA

Zurück