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Güterverkehr auf der Außerfernbahn

22.10.2026
EUREGIO via salina-Projekt "Güter auf die Schiene" zeigt konkrete Handlungsfelder für den grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr - LKZ Prien und VNL setzen auf Vernetzung und wirtschaftlich tragfähige Lösungen

Wie können Unternehmen im Wirtschaftsraum Allgäu, Außerfern, Tirol und Vorarlberg bestehende Potenziale des Schienengüterverkehrs besser nutzen? Welche Voraussetzungen braucht es, damit mehr Güter wirtschaftlich und verlässlich auf der Schiene transportiert werden können? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das grenzüberschreitende EUREGIO via salina-Projekt „Güter auf die Schiene“, das am 13. Oktober 2026 bei der Geiger Gruppe in Herzmanns/Waltenhofen mit einer Abschlussveranstaltung seinen fachlichen Höhepunkt fand. Das Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) Prien und der Verein Netzwerk Logistik (VNL) Österreich brachten dazu Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Logistik, Infrastruktur, Verbänden und Verwaltung zusammen. Im Mittelpunkt standen konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen für einen leistungsfähigen, wirtschaftlich tragfähigen und grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr.

Das von der EUREGIO via salina im Rahmen des INTERREG-Programms Bayern–Österreich 2021–2027 geförderte Projekt baut auf den Erkenntnissen des Vorgängerprojekts „Außerfern-Allgäu-Link“ auf. Ziel ist es, die strukturellen Voraussetzungen für den Schienengüterverkehr im gemeinsamen Wirtschaftsraum zu verbessern, vorhandene Potenziale stärker miteinander zu verknüpfen und die Anliegen der regionalen Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und Infrastrukturbetreibern sichtbarer zu machen. Die Abschlussveranstaltung machte deutlich: Es fehlt nicht grundsätzlich an Ideen und Lösungsansätzen. Entscheidend ist vielmehr, bestehende Angebote, Gütermengen, Infrastruktur und Akteure zu einem funktionierenden Gesamtsystem in einem länderübergreifenden Wirtschaftsraum zusammenzuführen.

Vom einzelnen Streckenabschnitt zum gemeinsamen Logistiksystem

Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Allgäu, Außerfern, Tirol und Vorarlberg reichen über Landes- und Verwaltungsgrenzen hinweg. Der Schienengüterverkehr muss deshalb ebenfalls grenzüberschreitend gedacht werden. In der Diskussion mit Peter Stöferle, Abteilungsleiter Infrastruktur und Mobilität bei der Industrie- und Handelskammer Schwaben, und Wolfgang Winkler, Bezirksstellenleiter der Bezirksstelle Reutte der Wirtschaftskammer Tirol, wurden sowohl die wirtschaftlichen Verbindungen der Regionen als auch die infrastrukturellen und betrieblichen Herausforderungen thematisiert.

Begrenzte Streckenkapazitäten, Nutzungskonflikte zwischen Personen- und Güterverkehr, fehlende regionale Zugangsmöglichkeiten und die schwierige Bündelung ausreichender Transportmengen erschweren vielerorts die Entwicklung attraktiver Schienenangebote. Hinzu kommt die sogenannte Henne-Ei-Problematik: Ohne ausreichende Gütermengen entstehen nur schwer wirtschaftliche Angebote, während Unternehmen ohne verlässliche, planbare und passende Verbindungen kaum Transporte auf die Schiene verlagern können.

„Wir müssen weg vom Denken in Einzelmaßnahmen und hin zu einem gemeinsamen System. Nicht jede Herausforderung erfordert neue Infrastruktur. Oft liegt großes Potenzial darin, vorhandene Infrastruktur besser zu nutzen, Gütermengen zu bündeln und die richtigen Akteure miteinander zu vernetzen. Unser Ziel ist es, daraus konkrete und wirtschaftlich tragfähige Lösungen für den gesamten Wirtschaftsraum zu entwickeln“, erklärt Dr. Petra Seebauer, Geschäftsführerin der LKZ Prien GmbH.

Bestehende Infrastruktur besser nutzen und neue Logistiklösungen entwickeln

Die Praxisbeispiele aus der Abschlussveranstaltung, moderiert von Florian Fürle, Projektleiter der LKZ Prien GmbH und verantwortlicher Leiter des EUREGIO via salina-Projekts, zeigten, dass auch bei begrenzter Infrastruktur Möglichkeiten für mehr Schienengüterverkehr bestehen. Entscheidend sind passgenaue Logistikkonzepte, die Bündelung ausreichender Gütermengen und die Zusammenarbeit zwischen verladenden Unternehmen, Eisenbahnverkehrsunternehmen und Logistikdienstleistern. Beispiele wie das Zuladungskonzept der TIROLER STRASSE-SCHIENE-Umschlaggesellschaft (TSSU) in Hall in Tirol oder die TransFER-Konzepte der Rail Cargo Groupverdeutlichen, wie innovative Ansätze vorhandene Potenziale erschließen können. Regionale Anbieter übernehmen bereits heute eine wichtige Rolle, indem sie Unternehmen über flexible Vor- und Nachlaufkonzepte sowie zuverlässige Lösungen für die erste und letzte Meile an überregionale Schienennetze anbinden. Auch der gezielte Einsatz des E-Lkw als Ergänzung zur Schiene kann Teil einer wirtschaftlich tragfähigen Gesamtlösung sein.

Philipp Wessiak, Vorstandsmitglied des Vereins Netzwerk Logistik (VNL) Österreich, betont: „Die Abschlussveranstaltung hat gezeigt, dass wir für einen erfolgreichen Schienengüterverkehr nicht nur Infrastruktur brauchen, sondern vor allem funktionierende Kooperationen und verlässliche Angebote. Wir müssen vorhandene Gütermengen intelligenter bündeln, regionale Akteure stärker vernetzen und auch neue Betreiber- und Logistikmodelle ausprobieren. Wenn Wirtschaft, Logistik und Infrastruktur gemeinsam an konkreten Lösungen arbeiten, können aus einzelnen Potenzialen tragfähige Verbindungen entstehen.“

Vom Erkenntnisgewinn zu konkreten Maßnahmen

Für den Wirtschaftsraum Allgäu, Außerfern, Tirol und Vorarlberg gilt es nun, bestehende Infrastrukturen und Anschlussbahnen stärker in den Blick zu nehmen, Kooperationen auszubauen und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten zu prüfen. Ein Ansatzpunkt ist beispielsweise die mögliche Reaktivierung der Anschlussbahn Ursulasried in Kempten als regionaler Umschlagpunkt. Voraussetzung für tragfähige Angebote sind ausreichende Transportmengen, Kooperationen zwischen regionalen Unternehmen, verlässliche und planbare Verbindungen sowie das notwendige Bahnlogistik-Know-how in Unternehmen und Ausbildung. Statt Straße und Schiene als Gegensätze zu betrachten, setzt das Projekt auf die intelligente Kombination der Verkehrsträger. Entscheidend ist, bestehende Potenziale gemeinsam zu erschließen, darauf aufbauend neue Lösungen in der Praxis zu erproben und daraus wirtschaftlich tragfähige Angebote für die Region zu entwickeln. Ziel ist nicht ein Entweder-oder, sondern eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Gestaltung der gesamten Lieferkette.

Rückhalt durch die EUREGIO via salina: Zusammenarbeit über Grenzen hinweg fortsetzen

Die EUREGIO via salina hat das Projekt unterstützt, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken und die strategische Bedeutung des Wirtschaftsraums für den Güterverkehr stärker sichtbar zu machen. Die Abschlussveranstaltung unterstrich, wie wichtig es ist, Unternehmen, Logistikdienstleister, Infrastrukturbetreiber, Verbände und öffentliche Stellen über Ländergrenzen hinweg miteinander ins Gespräch zu bringen.

Marina Kuhn, Geschäftsführerin der EUREGIO via salina, erklärt: „Mit dem Projekt ‚Güter auf die Schiene‘ haben wir einen wichtigen Raum für Austausch und Zusammenarbeit geschaffen. Die Ergebnisse zeigen, dass unser Wirtschaftsraum über zahlreiche Potenziale verfügt, die wir gemeinsam erschließen können. Die Abschlussveranstaltung ist deshalb kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt: Jetzt gilt es, die geknüpften Kontakte zu nutzen, konkrete Ansätze weiterzuverfolgen und die Anliegen unserer Region gemeinsam gegenüber den zuständigen Stellen zu vertreten.“

Unterstützt wird das Projekt durch den Bayerischen Bauindustrieverband e. V., das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr sowie das Land Tirol. Gastgeber der Abschlussveranstaltung war die Geiger Gruppe in Herzmanns/Waltenhofen.

Ein leistungsfähiger Schienengüterverkehr ist mehr als ein Beitrag zur nachhaltigen Mobilität. Er kann die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen unterstützen, Lieferketten widerstandsfähiger machen und zur Versorgungssicherheit beitragen. Die im Projekt entstandenen Netzwerke und Erkenntnisse bilden dafür eine wichtige Grundlage.

Weitere Informationen:

Download Pressematerial und Bilder in druckfähiger Qualität: Hier

EUREGIO via salina: https://www.euregio-via-salina.de/

LKZ Prien GmbH: https://www.lkzprien.de

Verein Netzwerk Logistik (VNL): https://www.vnl.at

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

LKZ Prien GmbH
Bettina Fischer
Referentin für Presse- und Öffentlichkeits­arbeit
Joseph-von-Fraunhofer-Straße 9
83209 Prien am Chiemsee
bettina.fischer@lkzprien.de, Tel. +49 8051 901 101

Verein Netzwerk Logistik (VNL)
Ing. Bernd Winter, MSc
Pressesprecher VNL
bernd.winter@vnl.at

Telefon: +43 664 814 43 64
www.vnl.at


Das Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien (LKZ)

Das Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) mit Standort in Prien am Chiemsee ist ein Innovationszentrum für Logistik, Verkehr und Mobilität mit interdisziplinärer Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft und internationaler Ausrichtung. Das LKZ-Netzwerk mit ansässigen Unternehmen und Instituten sowie weiteren Kooperationspartnern steht für höchste Kompetenz in den Bereichen Logistik, Verkehr und Mobilität. Seit über 25 Jahren entwickelt, steuert und koordiniert die LKZ Prien GmbH umfassendes Logistik-Know-how. Sie bietet ein hervorragendes und breit gefächertes Netzwerk mit Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.

Als kompetenter Experte in der Strategie-, Prozess- und Förderberatung unterstützt das LKZ Unternehmen und Kommunen – von der Optimierung von Prozessen bis zur Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle sowie nachhaltiger Innovationsprojekte in Logistik, Verkehr und Mobilität. Weitere Kompetenzfelder sind: Digitale und nachhaltige Lieferketten & Prozesse, nachhaltiger Güterverkehr, insbesondere Kombinierter alpenquerender Verkehr und Vernetzung von Verkehrsträgern, Themen zur Energienutzung in der Logistik und klimaneutraler Mobilität, betriebliches und kommunales Mobilitätsmanagement, Versorgungsprozesse in Kliniken, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie Themen zur Aus-/Weiterbildung. Zudem bietet die LKZ Prien GmbH als neutraler Moderator eine Plattform für eine Vielzahl an Unternehmen aus verschiedenen Branchen, im Rahmen eines Grüne-Wiese-Konzepts kreative und umsetzbare Ideen in Logistik, Verkehr und Mobilität zu entwickeln und umzusetzen.

Weitere Informationen: www.lkzprien.de 


VNL: Das Wirtschaftsnetzwerk für Logistik

Der VNL (Verein Netzwerk Logistik) ist mit über 6.200 Mitgliedern und mehr als 600 Mitgliedsunternehmen das größte Wirtschaftsnetzwerk für Logistik und Supply Chain Management in Österreich. Der Verein bringt Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Technologiezentren und Logistikgesellschaften zusammen, stärkt Logistikkompetenz und unterstützt Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Versorgungssicherheit. Jährlich organisiert der VNL über 60 Logistikveranstaltungen und mehr als 50 Seminare. Er beteiligt sich an nationalen und internationalen Forschungsprojekten, berät institutionelle Akteure und ist Gründungsmitglied des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII). Zudem unterstützt der VNL die Dachmarke AUSTRIAN LOGISTICS.

Weitere Informationen: www.vnl.at

 
 

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